Wir Osteopathen wissen, dass Embryologie irgendwie wichtig für unsere Arbeit ist. Das hat sich schon – wenn auch eher diffus – während unserer Grundausbildung gezeigt. Der Zugang in die osteopathische Arbeit mit Hilfe der Embryologie ist für viele nicht ganz klar, sie erscheint zunächst kompliziert, unverständlich und abstrakt.
Und es stellen sich einige Fragen:
 Wie kann man mit Hilfe der Embryologie ein besseres Verständnis für Osteopathie entwickeln? 
Ist Embryologie in der Osteopathie praktisch anwendbar und wenn ja, wie geht das? Wie kann Embryologie uns beim Behandeln helfen?

Diesen Themen wollen wir uns in dieser Kursreihe widmen. Hauptziel wird es also sein, die embryologische Entwicklung aus der Theorie in die Praxis zu holen und zu erkennen, welch geniales Vehikel sie sein kann, um die Anatomie und die Funktionsweise des Menschen und damit auch die Osteopathie besser zu verstehen.
Dieses Verständnis macht es uns möglich, Körper und Gewebe unserer Patienten in allen Qualitäten und Mustern noch besser und genauer zu erkennen und zu behandeln und unsere Patienten so effizienter zu unterstützen.

Die embryologische Entwicklung eines Körpers folgt größtenteils naturwissenschaftlichen Prinzipien, die wir auch in der Natur beobachten können. Die meisten dieser Prinzipien sind uns bekannt; wenn wir im embryologischen Kontext lernen, diese wieder zu erkennen und zu ordnen, kann alles, was vorher abstrakt und kompliziert erschien, ganz logisch und einfach werden.

Erich Blechschmidt hat mit seiner Arbeit einen Weg aufgezeigt, der uns einen pragmatischen Zugang in dieses Feld ermöglicht – diesen Zugang wollen wir nutzen.
Anstelle von auswendig lernen wollen wir eine Orientierung durch ein tieferes Verständnis vermitteln.

Wir werden uns mit den Kräften beschäftigen, die im Gewebe des Körpers wirken und mit denen es interagiert, um dann eine bestimmte Gewebeart zu werden.
Hierdurch werden wir verstehen lernen, warum diese Gewebe für immer auf die eine oder andere bestimmte Art und Weise funktionieren.
Und wir werden lernen wie sich diese Gewebsqualität, Gewebsdynamik und die Funktion des Gewebes anfühlen.
Dies wird uns schließlich dabei helfen, noch besser und exakter den Bedürfnissen des Systems zu entsprechen und die Selbstregulation des Körpers zu unterstützen.

Wichtige Hinweise:

Der erste Teil der Kursreihe ist eine Einführung in das Thema und ist obligatorisch für den Besuch der weiteren drei Teile.
Nach dem Besuch von Teil 1 können die weiteren Teile in beliebiger Reihenfolge besucht werden.
Alle 4 Teile enthalten in etwa gleich viele praktische wie theoretische Anteile.

Angewandte Embryologie Teil 1

Im ersten Teil dieser Kursreihe besprechen wir ausführlich die frühembryonale Entwicklung (1. – 4. Lebenswoche). Wir werden die Erkenntnisse in den osteopathischen Kontext stellen und in die osteopathische Praxis transportieren, um sie dort in die Hände zu bekommen. Alle Grundprinzipien der embryologischen Entwicklung haben sich in dieser Zeit schon mindestens 1x ausgedrückt und wiederholen sich während der Organogenese (5. – 8. Lebenswoche), die wir in den Kursteilen 2 – 4 durchgehen werden, immer wieder.

Folgender Inhalt erwartet die Teilnehmer in Kursteil 1:

  • Einführung in die Embryologie
  • Konzeption und Implantation – Entstehung der 3 Körperhöhlen
  • Chorda dorsalis
  • Grenz- und Binnengewebe, Ektoderm, Entoderm, Mesoderm
  • Gefäßentstehung und Herzanlage
  • Entstehung der neuronalen Strukturen: Neuralrohr, Spinalganglien, sensorische Dendriten und Motoneurone
  • Die embryologische Entstehung der muskuloskeletalen Gewebe: Bildung der Somiten und des Axialskeletts; Muskel-, Faszien- und Knorpelentwicklung
  • Die embryologische Entwicklung der Leber
  • Einführung in die Kraftfelder nach Erich Blechschmidt
  • Genetik
  • Eigenschaften von Wasser
  • Grundprinzipien der embryologischen Entwicklung

Ca. 3-4 Wochen vor dem 1. Kursteil werden allen Teilnehmern Unterlagen zugesendet, die auf den Kurs vorbereiten sollen und an denen sich schon einmal orientiert werden kann. Der Einstieg in den Kurs wird dadurch erleichtert.

Angewandte Embryologie Teil 2 – 4

Im zweiten, dritten und vierten Teil dieser Kursreihe werden wir die Themen des 1. Kurses mit allen, während der embryologischen Entwicklung immer wiederkehrenden Grundprinzipien, wiederholen. Die Wiederholung wird immer dem Kenntnisstand der Kursteilnehmer angepasst. Danach fahren wir mit der 5. Lebenswoche des Embryos und seiner Organogenese fort.

Die Erfahrung zeigt, dass die Kursteilnehmer durch das absolvieren und wiederholen des ersten Teils ein sehr gutes Grundverständnis erwerben. Der Transport des Verständnisses in die Praxis und in die Behandlung fällt immer leichter.

Die Themen von Kursteil 2, 3 und 4 werden die folgenden sein:

Angewandte Embryologie Teil 2

  • Wiederholung 1. – 4. Entwicklungswoche
  • Die Bildung und Bedeutung der Pharyngealbögen und -taschen mit ihrem Inhalt: Thymus, Nebenschilddrüse, Ohrspeicheldrüse, Mittelohr usw.
  • Die embryologische Entwicklung des Gehirns: Morphogenese im Raum und Hirnstruktur
  • Die Entstehung der Hirnnerven
  • Die Bildung der Meningen: Pia mater, Arachnoidea und Dura mater
  • Die embryologische Entwicklung der Schilddrüse und der Hypophyse
  • Die embryologische Entwicklung der Lunge
  • Die Knochenentwicklung – Detraktionsfeld: Schädelbasis und Schädeldach
  • Wasser und Genetik
  • Osteopathische Prinzipien Teil 1 – Still und Blechschmidt

Angewandte Embryologie Teil 3

  • Wiederholung 1. – 4. Entwicklungswoche
  • Die embryologische Entwicklung des Herzens und das Kardiovaskuläre System
  • Die Entwicklung des Gesichts
  • Die Entstehung der Nase und des Nervus olfaktorius
  • Die Entstehung der Augen und des Nervus optikus
  • Die Entwicklung des Ohrs, des Gleichgewichtorgans und des Nervus vestibulocochlearis
  • Die embryologische Entwicklung des Magen-Darm-Trakts
  • Die Entstehung der Körperhöhlen, Pericard – Pleura – Perikard
  • Bioelektrik, Licht und Raum
  • Osteopathische Prinzipien Teil 2 – Blechschmidt und Still

Angewandte Embryologie Teil 4

  • Wiederholung 1. – 4. Entwicklungswoche
  • Die embryologische Entwicklung der Extremitäten: Arme und Beine, Füße und Hände
  • Die embryologische Entwicklung der Niere
  • Die Entstehung der ableitenden Harnwege
  • Die embryologische Entwicklung der Geschlechtsorgane
  • Die Entstehung des vegetativen Nervensystems
  • Bioelektrik, Licht und Raum II
  • Osteopathische Prinzipien Teil 3 – Blechschmidt und Still